Anlässlich des Stadtjubiläums zeigt das Detlefsen-Museum eine große Sonderausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Glückstadt. Die 1616/17 auf dem Reißbrett entstandene Planstadt Glückstadt musste mit tüchtigen Bürgern bevölkert werden. Der Stadtgründer König Christian IV. forderte neben reformierten Niederländern vor allem sephardische (portugiesische) Juden auf, die in ihrer alten Heimat wegen ihres Glaubens bedroht und verfolgt wurden, sich in Glückstadt anzusiedeln. Ein Privileg des Königs vom 3. August 1619 garantierte ihnen Religionsfreiheit, einen Friedhof – man kann ihn noch an der Pentzstraße besichtigen –, uneingeschränkte Bürgerrechte und Freiheit des Handels und Gewerbes. Von etwa 1630/48 bis 1785 gab es in Glückstadt eine Synagoge für die Sepharden.

Die in Handel und Gewerbe wohl erfahrenen neuen Bürger trugen zum Aufblühen der jungen Stadt entscheidend bei. Als erster portugiesischer Jude siedelte sich 1619 Albert Dionis an. Er richtete die Münze von Glückstadt ein und war des Königs besonderer Vertrauensmann und Ratgeber. Andere jüdische Mitbürger betrieben eine Zuckerraffinerie, eine Seifen- und Salzsiederei, eine Gerberei und eine Ölmühle oder sie betätigten sich als Reeder und im Überseehandel. Die sephardischen Juden genossen in Glückstadt Freiheiten des Glaubens und des Lebens wie an nur wenigen Orten der Welt. Glückstadt trug zu dieser Zeit den offiziellen Titel „Toleranzstadt“.

Erst im 18. und 19. Jahrhundert wurden auch aschkenasische (deutsche und polnische) Juden in Glückstadt zugelassen. Eine Synagoge existierte von 1768-1895 in der damaligen Judenstraße (heute Königstraße).

Anhand von Dokumenten, Objekten und Fotografien wird die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Glückstadt wissenschaftlich aufbereitet und der Öffentlichkeit präsentiert.

Detlefsen-Museum im Brockdorff-Palais, Am Fleth 43
Öffnungszeiten: Mi-So 14-17 Uhr
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